»Günther redet, ich schweige«

Habt ihr euch schon hineingedacht und -gefühlt in die Welt der Gastronomie-Inspektoren Bösel und Fellner?

 

Günther: Schon beim Foto- und Videotermin machten wir eine erstaunliche Erfahrung: Dadurch, dass wir kostümmäßig relativ nah an der Verfilmung aus den 90ern waren, hatten wir sofort das Gefühl, schon drin zu sein in der Materie. Ganz einfach, weil wir diesen Film kennen. Es war fast so, als würden wir schon proben.

 

Janko: Seit wir wissen, dass wir es spielen, sitzen wir öfter zusammen und stellen fest, dass die Rollenverteilung absolut stimmt: Günther redet viel, ich schweige eher (beide lachen). Das finde ich im positiven Sinne erschreckend. Und wir haben viel Spaß zusammen, auch schmerzlichen Spaß, den wir teilen (erneutes Gelächter). Deswegen kann ich nur sagen: Ich freue mich total drauf.

 

Wenn man euch beide auf dem Foto betrachtet, wie ihr da im Wirtshaus zusammenhockt, dann wirkt das doch sehr lebensecht. Trinkt ihr auch im richtigen Leben mal einen zusammen?

 

Günther: Ja, das ist schon vorgekommen, und es wird sicher auch Bestandteil der Probenarbeit sein (Gelächter).

 

Janko: Davor haben wir am meisten Angst: Werden unsere Körper danach die gleiche schöne Form haben wie vor der Probenzeit? Weil ja sicher das eine oder andere Schnitzel gegessen und das eine oder andere Bier getrunken werden muss.

 

So ein Kneipen-Setting mit Schnitzel und Bier hat vermutlich seinen ganz eigenen Reiz – es kann einen schlimmer treffen als Schauspieler am Staatstheater, oder?

 

Günther: Absolut.

 

Janko: Eine Veganer-Produktion wäre jetzt wahrscheinlich nicht so unser Ding.

 

Im August müsst ihr das Stück gut zwei Wochen am Stück praktisch jeden Abend spielen, bei Wind und Wetter. Seid ihr Manns genug, um das durchzustehen?

 

Janko: Ich glaube, wir sind fit. Der Kollege geht ja auch schon zur Physio.

 

Günther, du hattest unlängst einen Fahrradunfall und hast dir dabei das Schlüsselbein gebrochen. Wie geht es dir inzwischen?

 

Günther: Ja, mein Gott, ich hab ne schöne, sehr männliche Narbe, mache Physiotherapie und spüre ab und an ein paar Schmerzen. Die Stücke, die ich vor der Sommerpause noch spiele, muss ich in eingeschränkter Form spielen.

 

Janko: Benutzt du dein Narben-Gel?

 

Günther: Ich hab noch keins, aber ich wollte mir gleich welches kaufen.

 

Worum geht es in Indien?

 

Janko: Es geht um Einsamkeit, um eine Freundschaft zwei sehr unterschiedlicher Männer, die erstmal nicht so viel und dann immer mehr miteinander anfangen können, die sich auch irgendwie brauchen.

 

Günther: Sie entdecken gemeinsam eine Waffe gegen die Einsamkeit und Bösartigkeit des Lebens: den schwarzen Humor. Das ist typisch Österreichisch, und das macht es spannend für uns, das Ganze jetzt hier nach Norddeutschland zu verfrachten. Humoristisch gesehen, ist das zwar eine andere Welt, aber es gibt durchaus Berührungspunkte.

 

Indien gilt als Komödie bzw. Tragikomödie. Wie seht ihr das? Und seht ihr euch selbst als Komödianten?

 

Günther: Ich finde es reizvoll, diesen Stoff als Komödie zu denken und mich selbst in diesem Zusammenhang als Komödianten zu verstehen.

 

Janko: Ich sehe es eher als Tragikomödie. Die Komödie interessiert mich zwar auch, aber auf der anderen Seite muss man ja am meisten lachen, wenn es den anderen nicht so gut geht. So entstehen oft die besten Witze. Und das steckt da natürlich auch drin. Man könnte es auch als Feldzug des kleinen Mannes sehen, was die beiden da vollziehen. Da kann sich jeder drin wiederfinden.

 

Günther: In Anbetracht größerer Ereignisse, auf die sie keinen Einfluss haben, ist Humor für die einfachen Leute oft die einzige wirksame Waffe. Das habe ich auch in meinem eigenen Leben erfahren. Es ist eine Philosophie, zu der ich absolut stehe. Humor ist lebenswichtig.

 

Was reizt euch persönlich an dieser Arbeit?

 

Günther: Erstmal freuen wir uns, dass wir endlich mal aufeinander losgelassen werden und so richtig schön zusammen spielen können. Da haben wir Bock drauf.

 

Janko: Und es sind einfach super Rollen. Zwei sehr schöne Figuren.

 

Es gibt noch einen Dritten im Bunde: Frank Wiegard, der die verschiedenen Wirte spielt…

 

Günther: …und den Arzt, der am Schluss auch noch auftritt.

 

Fellner und Bösel tingeln als Gastro-Tester über Land und verbringen daher zwangsläufig viel Zeit miteinander. Wie würdet ihr die Beziehung der beiden zueinander beschreiben?

 

Günther: Am Anfang sind sie einfach nur Kollegen, die sozusagen von oben zusammengepfercht worden sind. Sie müssen das zusammen tun, können aber nichts miteinander anfangen und geraten immer wieder aneinander. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine wortkarg, verschlossen, einfach gestrickt. Und der andere sehr redselig und altklug (kichert), dabei ziemlich nervig. Naja, und wie es dann halt so ist, wenn man den Lagerkoller hat, weil man wirklich alles zu zweit machen muss und sich nicht aus dem Weg gehen kann – entweder man geht sich an die Gurgel oder man findet einen Weg, miteinander klarzukommen.

 

Janko: Stimmt. Wir könnten da eigentlich auch unterschwellig unsere Werder-HSV-Rivalität ausleben.

 

Indien entstand ursprünglich als Theaterstück, aber vor allem der Film mit Hader und Dorfer in den Hauptrollen erlangte Kultstatus. Habt ihr eine Lieblingsszene?

 

Janko: Es gibt da dieses Gespräch, wo der Bösel auf dem Klo sitzt und der Fellner draußen steht. Sie unterhalten sich darüber, dass der eine nicht kann, wenn der andere zuguckt oder zuhört. Dieses Gespräch endet in einer Kindheitserinnerung, was sehr rührend ist. Bösel beendet sein Geschäft auf dem Klo und kommt dann raus. Eine großartige Szene.

 

Günther: Es ist eine richtige Liebeserklärung, wenn der wortkarge Bösel vom Klo kommt und sagt, du bist jetzt der erste Mensch, neben dem ich hab scheißen können…

 

Janko: …seit meiner Mutter. Danach gehts nur noch bergauf für die beiden (beide lachen).

 

Ab Herbst wird die Inszenierung ins Repertoire übernommen: Indien zieht dann vom Theaterhof ins Brauhaus Ernst August um. Was erwartet ihr euch davon?

 

Günther: Ich bin total gespannt drauf, wie es da läuft, weil der Raum ganz gut dafür geeignet ist. Ich hoffe auch, dass es uns dadurch gelingt, andere Publikumsschichten zu erreichen. Dass Leute, die sonst nie ins Schauspiel gehen würden, vielleicht sagen, ich gucke mir das jetzt mal an. Vom Stoff her ist das denkbar.

 

Janko: Auf alle Fälle. Das Stück gehört einfach in die Gaststätte.

 

Wir reden die ganze Zeit über das Sommertheater, aber der Sommer liegt ja noch vor uns. Wie werdet ihr ihn verbringen?

 

Günther: Ich spiele ein paar Konzerte mit meiner Band unten in Bayern. Dann nutze ich die Gelegenheit, um im süddeutschen und österreichischen Raum Urlaub zu machen – und vielleicht am Wolfgangsee ein bisschen Indien-Luft zu schnuppern. Mal gucken, wer mir da so über den Weg läuft. Dann bin ich noch in Italien. Und dann feiere ich meine Hochzeit nach.

 

Janko: Da kann ich nicht mithalten. Ich hab noch keine Pläne. Vielleicht werde ich eine Woche in den Bergen Rennrad fahren. Danach bin ich dann hoffentlich fit genug fürs Sommertheater.

 

Günther: Das Bier immer in der Radlerflasche.

 

Janko: Den Rotwein! (alle lachen)

 

Interview: Björn Achenbach

 

Preview: 10.08.17, 21:00 Uhr (Einlass 20:00 Uhr), Theaterhof

Premiere: 11.08.17, 21:00 Uhr (Einlass 20:00 Uhr), Theaterhof – AUSVERKAUFT

Weitere Vorstellungen fast täglich bis 27.08.

Karten HIER